Anfang Dezember 2025 sorgte ein Gesetzentwurf des Senators aus Ohio, Bernie Moreno, für internationale Schlagzeilen: Der “Exclusive Citizenship Act of 2025” würde die Doppelstaatsbürgerschaft in den Vereinigten Staaten abschaffen und Doppelstaatler zwingen, sich innerhalb eines Jahres für eine Staatsangehörigkeit zu entscheiden. Doch trotz der Aufregung wird dieser Vorschlag nicht Realität werden – dieser Beitrag erklärt warum.

Die Anwälte von Schlun & Elseven helfen Amerikanerinnen und Amerikanern in Deutschland, über das politische Theater hinwegzusehen und sich auf echte Möglichkeiten zu konzentrieren. Deutschlands Reformen zur doppelten Staatsbürgerschaft von 2024 haben Tausenden von Amerikanern die Tür geöffnet, EU-Bürgerschaftsrechte zu sichern, ohne dabei ihren US-Pass zu riskieren. Unser Team für Staatsangehörigkeitsrecht ist darauf spezialisiert, US-Bürger durch den Einbürgerungsprozess in Deutschland zu führen.
Warum der Vorschlag Morenos nicht Realität werden wird
Der Vorschlag von Senator Moreno steht auf vielen Ebenen vor unüberwindbaren Hindernissen – politisch, verfassungsrechtlich und praktisch.
Die politische Realität: Keinerlei Unterstützung im Kongress
Damit dieser Gesetzentwurf verabschiedet werden könnte, müsste er zunächst den Rechtsausschuss des Senats durchlaufen und danach 60 Stimmen im Senat erhalten. Allerdings hat Morenos Gesetzentwurf keinen einzigen Mitantragsteller: Kein einziger anderer Senator – weder Republikaner noch Demokrat – hat sich angeschlossen.
Die verfassungsrechtliche Hürde
Selbst in dem außerordentlich unwahrscheinlichen Fall, dass der Gesetzentwurf den Kongress passieren würde, widerspricht er direkt Präzedenzfällen des US-Supreme Court, die seit fast 60 Jahren etabliert wurden:
- Kawakita v. United States (1952): Die Doppelstaatsbürgerschaft wird rechtlich anerkannt.
- Afroyim v. Rusk (1967): Der Kongress kann die Staatsbürgerschaft nicht ohne die freiwillige, absichtliche Aufgabe entziehen.
- Vance v. Terrazas (1980): Der Verlust der Staatsbürgerschaft erfordert den Nachweis einer spezifischen Absicht – er kann nicht im Unterlassen begründet sein.
Die logistische Unmöglichkeit
Selbst wenn man die verfassungsrechtlichen und politischen Hürden außer Acht ließe, wäre die Umsetzung dieses Gesetzes praktisch unmöglich: Die USA erfassen Doppelstaatler nicht. Offizielle Schätzungen von amerikanischen Bürgern mit Doppelstaatsbürgerschaft variieren stark, von 500.000 bis 5,7 Millionen Menschen, und einige Experten vermuten, dass sogar über 40 Millionen Amerikaner für eine Doppelstaatsbürgerschaft berechtigt sind. Die Regierung hat schlichtweg keinen Überblick darüber, wer mehrere Pässe besitzt. Zudem existiert dafür schlichtweg kein Durchsetzungsmechanismus: Es müssten neue Systeme geschaffen werden, um Doppelstaatler identifizieren, erfassen und bearbeiten zu können. Allein dieses administrative Unterfangen würde mehrere Jahre Zeit und Milliarden von Dollar in Anspruch nehmen.
Doppelstaatsbürgerschaft: Die deutsch-amerikanische Realität
Für deutsch-amerikanische Doppelstaatler ist dieser Vorschlag besonders unpraktisch:
- Deutschland hat erst kürzlich die Rechte auf Doppelstaatsbürgerschaft erweitert (2024) und erkennt an, dass die heutige Lebensrealität oft Verbindungen zu mehreren Ländern beinhaltet.
- Zehntausende Amerikaner haben seit der deutschen Gesetzesänderung die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt und erhalten.
- Etwa 120.000 US-Staatsbürger leben in Deutschland (Statistisches Bundesamt, Dezember 2024), viele von ihnen besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft oder streben sie zurzeit an.
- Es bestehen unzählige geschäftliche, familiäre und kulturelle Verbindungen zwischen Deutschland und den USA.
- Beide Regierungen erkennen die Doppelstaatsbürgerschaft in Einwanderungs-, Steuer- und konsularischen Angelegenheiten an.
Das US-Außenministerium erklärt ausdrücklich: “Die Doppelstaatsbürgerschaft ist die natürliche Folge, die sich aus der Wechselwirkung von Gesetzen verschiedener Länder ergibt.” Daran hat sich nichts geändert.
Zum Kontext der deutsch-amerikanischen Doppelstaatsbürgerschaft
Die Doppelstaatsbürgerschaft ist in den Vereinigten Staaten seit über einem halben Jahrhundert rechtlich anerkannt und gelebte Praxis. Die fortschreitende Vernetzung des modernen Lebens – insbesondere zwischen engen Verbündeten wie Deutschland und den USA – macht die Doppelstaatsbürgerschaft nicht nur praktisch, sondern auch immens vorteilhaft für beide Länder.
Für Deutsch-Amerikaner ermöglicht die Doppelstaatsbürgerschaft:
- Das Recht sich in beiden Ländern und in der gesamten EU aufzuhalten und zu arbeiten
- Familienkonstellationen, die auch über den Atlantik hinweg ohne Visa-Komplikationen möglich sind
- Unternehmerische Möglichkeiten in beiden Märkten sowie in ganz Europa
- Kulturelle und sprachliche Vorteile in einer zunehmend vernetzten Welt
Die deutsch-amerikanische doppelte Staatsbürgerschaft hat Bestand
Wir von Schlun & Elseven haben bereits Tausenden von amerikanischen Staatsbürgern geholfen auch die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten, insbesondere seit der deutschen Gesetzesänderung aus dem Jahre 2024, die die Erlangung der doppelten Staatsbürgerschaft leichter zugänglich gemacht hat.
Die Quintessenz: Die Doppelstaatsbürgerschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten bleibt rechtlich geschützt und bestehen. Bei diesem Vorschlag handelt es sich um gesetzgeberischen Lärm, aber nicht um eine echte Bedrohung für Ihren Status, Ihre Rechte oder Ihre Zukunftspläne. Der Zeitpunkt könnte tatsächlich für Amerikaner, die die deutsche Staatsbürgerschaft in Betracht ziehen, nicht besser sein: Deutschland hat seine Türen seit 2024 weiter geöffnet und die Vorteile der EU-Bürgerschaft sind wertvoller denn je. Wenn Sie spezifische Fragen zu dem Status Ihrer Doppelstaatsbürgerschaft oder zu Anträgen für die deutsche Staatsbürgerschaft haben, steht unser Team Ihnen zur Seite.